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am 6. März

Warum es Frauennamen im öf­fent­lichen Raum braucht!

Katharina Kunz - Warum Frauennamen auf Straßenschildern wichtig sind.


Frauennamen auf Straßenschildern sind nur ein kleiner Beitrag zur Balance zwischen den Geschlechtern, aber ein großer Schritt zur Sichtbarmachung von Frauen im öffentlichen Raum. Die Namen, die wir auf Straßenschildern lesen, sind Teil unserer gemeinsamen Erinnerung. Viele faszinierende, verdienstvolle Frauen finden keinen Platz im öffentlichen Raum und verschwinden langsam aus dem kollektiven Gedächtnis.

Im Wiener Straßennetz sind mehr als 4000 Straßen, Gassen und Plätze nach Männern, und nicht einmal 500 nach Frauen benannt, der Rest trägt neutrale Bezeichnungen. In Döbling erinnern mehr als 200 Verkehrsflächen an Männer, aber nur etwa 20 an große Frauen wie Markgräfin Agnes von Waiblingen, Käthe Gold, Auguste Fickert, Josefine Gallmeyer oder Therese Gatterburg.

Wir freuen uns, dass unser Antrag, neue Plätze, Parks und Straßen im geplanten Stadtquartier Muthgasse vorwiegend nach Frauen zu benennen, in der Bezirksvertretung am 20. Februar 2020 angenommen wurde. Denn wir sind davon überzeugt, dass es noch viel mehr Frauen gibt, die es verdienen, einer Adresse eine Geschichte und einen historischen Hintergrund zu geben.

Machen wir sie sichtbar!


Nach Frauen benannte Verkehrsflächen in Döbling:


Agnesgasse

(zwischen Rathstraße 2 und Sieveringer Straße 219)

Markgräfin Agnes (1076 – 1157), Gemahlin Leopolds III. des Heiligen.

Der Sage nach ließ er an dem Ort, wo er den verlorenen Schleier seiner Frau Agnes fand, das Stift Klosterneuburg erbauen.

 

Anna-Ehm-Park

(Kaasgrabeng. / Leopold-Steiner-Gasse)

Anna Ehm (1903 – 1963) Pädagogin, Gründerin und Leiterin der Neulandschulen in Grinzing und auf dem Laaerberg. Ihr Ziel war Wissensvermittlung mit sportlichen und musischen Aktivitäten auf der Grundlage erneuerten Christentums. Sie führte auch das Du-Wort zwischen Lehrern und Schülern ein!

 

Blanche-Aubry-Weg

(zwischen Hackenberggasse 44 und Sieveringer Straße 137)

Blanche Aubry (1903 – 1963) Schweizer Schauspielerin und Musicaldarstellerin wurde 1977 Kammerschauspielerin und 1986 Ehrenmitglied des Burgtheaters.

 

Cebotariweg

(Kahlenbergerstraße zwischen 122 und 124/Nussdorf)

Maria Cebotari (1910 – 1949), Opernsängerin (Sopran), geboren im bessarabischen Raum, ging mit dem Moskauer Künstlertheater 1928 nach Paris. Karrierestationen: Staatsoper Dresden, Salzburger Festspiele, Berliner Staatsoper und Wiener Staatsoper – berühmt vor allem für die Interpretation von Mozart- und Strauss-Opern. 1934 Verleihung des Titels Kammersängerin, Grab auf dem Döblinger Friedhof.

 

Cilli-Löwinger-Weg 

(Seitengasse Ludwig-Gruber-Weg in Neustift)

Cilli Löwinger (1877 – 1949) Volksschauspielerin. Sohn Paul Löwinger bekanntester Exponent der Löwinger-Bühne, deren Stücke auch vom ORF übertragen wurden.

 

Fickertgasse

(Philippovichgasse 1 – 3 von Werkmanngasse bis Peezgasse am Währinger Park)

Auguste Fickert  (1855 - 1910), Lehrerin, Sozialreformerin; gründete 1893 den "Allgemeinen österreichischen Frauenverein", kämpfte um das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung der Frau. 1895 Gründung der 1. österreichischen Rechtsschutzstelle für unbemittelte Frauen, 1911 erster „Heimhof“ in der Peter-Jordan-Straße 32 – 34 für alleinstehende berufstätige Frauen, ihm folgte der große Heimhof für Ehepaare und Familien im 15. Bezirk, 1899  weibliche Berufsvertretungen und Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium durchgesetzt.  Denkmal im Türkenschanzpark.

 

Gallmeyergasse

(zwischen Heiligenstädter Straße 89 und Hoher Warte)

Josefine Gallmeyer (1838 - 1884), Schauspielerin, Volkssängerin, Tänzerin; debütierte schon mit 15 Jahren am Stadttheater Brünn, spielte an verschiedenen Theatern der Donaumonarchie, auch in Berlin und Dresden. In Wien trat sie am Theater in der Josefstadt, im Theater an der

Wien und am Carltheater auf. Sie starb verarmt in Wien. Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof.

 

Gatterburggasse

(zwischen Billrothstraße 34 und Döblinger Hauptstraße 51)

Therese Gräfin Gatterburg (1783 - 1849), Besitzerin der Herrschaft Ober-Döbling, die 1811 bis 1819 das Herrschaftshaus "Gatterburg" besaß. Denkmal in der Gatterburggasse.

 

Geistingergasse

(Heiligenstädter Straße 80 – 82 bis Boschstraße 1)

Marie Geistinger (1833 - 1903), Schauspielerin, Sängerin ("Königin der Operette").

 

Hansi-Niese-Gasse

(zwischen Kahlenbergerstraße  84 und 86)

Hansi Niese (1875 - 1934), Volksschauspielerin; Erfolge im Raimundtheater (Raimund- und Nestroyrollen), später am Theater in der Josefstadt Charakterkomikerin; auch zahlreiche Filmrollen, trat häufig mit Alexander Girardi auf, Denkmal beim Volkstheater, Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof.
 

Hilde-Spiel-Park

(Grinzinger Straße / Kreilplatz Q19)

Prof. Dr.phil. Hilde Spiel (1911 – 1990) Journalistin, Schriftstellerin, Essayistin, Übersetzerin; trat 1933 der 1934 verbotenen Sozialdemokratischen Arbeiterbewegung Österreichs bei. Sie heiratete 1936 den Schriftsteller Peter de Mendelssohn mit dem sie im gleichen Jahr wegen der antisemitischen Politik in Österreich nach London übersiedelte. Sie kehrte 1963 endgültig nach Österreich zurück und war bis 1971 Mitglied des Österr. PEN-Clubs. Nachdem ihre Wahl zur Präsidentin von Friedrich Torberg verhindert wurde, wechselte sie zum deutschen PEN-Zentrum.

Käthe-Gold-Weg

(parallel zur Feilergasse - Cobenzlg.)
Käthe Gold (1907 – 1997) Kammerschauspielerin. Sie debütierte 1926 am Stadttheater Bern und spielte infolge klassische Rollen im deutschsprachigen Raum, auch am Akademietheater und am Theater in der Josefstadt. Sie wirkte auch an Filmen mit. Sie kam 1947 vom Züricher Schauspielhaus ans Wiener Burgtheater und zu den Salzburger Festspielen. Ehrungen: Josef-Kainz-Medaille, Ehrenring der Stadt Wien.

 

Kronesgasse

(zwischen Huschkagasse 1 und Sandgasse 30 beim Hungerberg)

Therese Krones (1801 - 1830), gefeierte Biedermeierschauspielerin, Soubrette. Sie brillierte in Raimund-Rollen. Gemälde im Theater in der Josefstadt (Sträußel-Saal), Kenotaph auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien, Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

 

Marianne-Schönauer-Gasse

(zwischen Hartäckerstraße 16 und Cottagegasse 88)

Marianne Schönauer (1920 - 1997), Schauspielerin: Volkstheater (1945 - 48), Raimundtheater (1949), Landestheater Salzburg (1950), Stadttheater Wien (1951), Theater in der Josefstadt (1951 - 1987), Mitwirkung in zahlreichen Filmen.

 

Maria-Schaumayerplatz

(Kreuzung Billrothstraße / Sieveringer Str.)

Dkfm. Dr. Maria Schaumayer (1931 – 2013) Wirtschaftswissenschafterin, Politikerin, Präsidentin der Österr. Nationalbank – erste Frau an der Spitze einer Notenbank weltweit! 1991 Stiftungsgründung für Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft, ab 2000 Regierungsbeauftragte für die Entschädigung der Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime.

Ehrengrab auf dem Döblinger Friedhof.

 

Paradisgasse

(zwischen Silbergasse 40 und Daringergasse 31)

Maria Theresia Paradis (1759 - 1824), blinde Klaviervirtuosin, Komponistin; konzertierte in Paris, London und Brüssel und an deutschen Höfen, ihre Korrespondenz erledigte sie mit einer Blinden-Schreibmaschine, die ihr früherer Hauslehrer erfunden hatte. 1808 gründete sie in Wien ein „Institut für musikalische Erziehung“, an dem sie junge Frauen in Klavier, Gesang und Musiktheorie unterrichtete. Die Musikerin wurde auf dem Sankt Marxer Friedhof beigesetzt.

 

Paula-Wessely-Weg

(entlang des Reisenbergbaches – Grinzing/Himmelstraße)

Paula Wessely (1907 - 2000), Kammerschauspielerin; war mit dem beliebten Schauspieler Attila Hörbiger (1896 - 1987) verheiratet, 1924 Debüt im Deutschen Volkstheater in Wien, 1929 bis 1952 Theater in der Josefstadt, 1953 bis 1985 Burgtheater; Salzburger Festspiele (Rolle des Gretchen in Faust I); Filme ("Maskerade", 1934; "Der Engel mit der Posaune", 1948); Wessely wirkte gemeinsam mit ihrem Ehemann im NS Propagandafilm "Heimkehr" (1941) mit und hatte vorübergehend nach dem Krieg in der US-Zone Auftrittsverbot. Beide sind auf dem Grinzinger Friedhof begraben.

 

Ruthgasse

(Saarplatz bis Döblinger Hauptstraße und Hohe Warte)

nach dem israelitischen Waisenhaus zu Ehren der biblischen Ruth benannt.

 

Schätzgasse

(zwischen Kahlenberger Straße 10 und Zahnradbahnstraße 9)

Anna Schätz (1814 - 1853), Stifterin einer Kinderbewahranstalt in Nussdorf.

 

Stephaniewarte

(Kahlenberg / Josefsdorf)

Stephanie Clotilde Luise Hermine Marie Charlotte von Belgien (1864 – 1945) Gemahlin von Kronprinz Rudolph.

 

Wertheimsteinpark

(zwischen Döblinger Hauptstraße 96 und Heiligenstädter Straße 75A)

Franziska von Wertheimstein (1844 – 1907) führte in der Villa Wertheimstein, jetzt Bezirksmuseum, ihren Salon, dem unter anderem Ferdinand von Saar angehörte. Sie vermachte testamentarisch ihren Besitz der Bevölkerung der Stadt Wien. Denkmal im Wertheimsteinpark, Grab auf dem Döblinger Friedhof.

 

Zimmerlweg

(ab Wilckensweg 16 am Hackenberg)

Christl Zimmerl (1939 - 1976), erste Solotänzerin der Wiener Staatsoper.