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am 27. Jänner

Falsche Signale für Klima und Mensch

Katharina Kunz - Rückschritt statt Fortschritt: Die neuen Fahrpläne der Wiener Linien sorgen auch in Döbling für eine morgendliche Ausdünnung der Öffis an den Wochenenden und Feiertagen. Das ist unangenehm für alle, die sonntags arbeiten und verheerend fürs Klima.

Sa, 5.30 Uhr in Döbling – die Straßen sind menschenleer, der Bezirk schläft noch. Bis auf ein paar Wartende bei der Straßenbahnhaltestelle. Sie nicken einander stumm hinter den Masken zu, kennen einander vom Sehen, es sind immer dieselben, die um diese Zeit in die Arbeit fahren. Sie alle haben keine Jobs, die man Montag bis Freitag gemütlich im homeoffice erledigen kann, sie arbeiten auch an Sonn- und Feiertagen, in Bereichen wie Pflege, Medizin, Betreuung, Reinigung – darunter viele, die oft beklatscht aber selten fair entlohnt werden. Sie alle müssen seit 9. Jänner noch früher aufstehen, um rechtzeitig zu Dienstbeginn in der Arbeit zu sein. Die Umstellung der Wiener Linien auf den neuen Fahrplan hat auch in Döbling die Öffi-Situation in den Morgenstunden am Wochenende deutlich verschlechtert.  

Taktverdünnung bei 35A, 37, 38, 38A und D​

Wir haben die neuen Fahrpläne auch abseits der längeren U-Bahnintervalle (10 statt 7,5 Minuten) unter die Lupe genommen: Sonn- und feiertags gibt es etwa beim D-Wagen nur noch eine Fahrt zwischen 5 und 6 Uhr (minus 1), zwischen 5 und 10 Uhr werden insgesamt 4 Fahrten eingespart.

Bei den Straßenbahnlinien 37 und 38 sowie beim Bus 35A haben die Wiener Linien jeweils eine Fahrt am Samstag zwischen 5 und 6 Uhr gestrichen. Sonn und feiertags sind es jeweils zwei Fahrten zwischen 5 und 7 Uhr weniger, zwischen 8 und 10 Uhr wurden auf beiden Linien jeweils 2 Fahrten eingespart. Auch auf der Buslinie 35A fahren nun zwischen 5 und 10 Uhr ganze 4 Busse weniger als noch im Vorjahr.

Wer mit dem 38A von Heiligenstadt auf den Kahlenberg fährt – und das sind an schönen Tagen nicht wenige Ausflügler und Badegäste – hat sonn- und feiertags zwischen 9 und 10 Uhr nur noch im Viertelstundentakt einen Bus, nicht wie vorher alle 10 Minuten (minus 2 Busse).  

Wer denkt ans Klima?

Diese wenig transparente Entscheidung und ganz plötzlich am 29. Dezember angekündigte Anpassung der Fahrpläne hat übrigens nichts mit einem geringeren Fahrgastaufkommen durch die Lockdown-Maßnahmen zu tun, die neuen Fahrpläne gelten unabhängig von der Pandemie auf unbestimmte Zeit.

An jedem Wochenende sind es allein in Döbling mehr als 20 Fahrten weniger – das ist nicht nur extrem unangenehm für alle, die früh aufstehen und sonntags arbeiten müssen, das ist auch klimapolitisch eindeutig das falsche Signal.

Angebot schafft die Nachfrage, das ist bei Öffis erwiesen. Durch das Ausdünnen der Fahrten, ungünstige Verbindungen und lange Wartezeiten bringt man niemanden dazu, in den Morgenstunden aufs Auto zu verzichten, ganz im Gegenteil. Und wenn ein knapp verpasster Bus zu einer enormen Verzögerung führt, wundert es nicht, dass manche lieber mit dem Auto auf den Kahlenberg oder ins Krapfenwaldl fahren.

Taktverdichtung zu Stoßzeiten, besser abgestimmte Verbindungen zum Umsteigen, neue Linien in den Außenbereichen, flexiblere Angebote – um unsere Klimaziele zu erreichen und den Autoverkehr in Döbling zu reduzieren hätten wir eindeutig fortschrittlichere Ideen als die Ausdünnung der Öffis!