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am 20. Mai

Das Parkpickerl ist da

Peter Kristöfel - Das Parkpickerl bringt's: Weniger Verkehr, weniger Parkplatzsuchzeit, weniger Lärm, weniger CO2, sauberere Luft, mehr Lebensqualität!

Das Parkpickerl bringt allen was


Nach jahrelangem Widerstand konnten wir Döblinger Grüne unsere Forderung nach einer flächendeckenden Kurzparkzone für den 19. Bezirk nun endlich durchsetzen. Nach wie vor gibt es kontroverse Ansichten über das „Parkpickerl“. Deswegen möchten wir erklären, worum es eigentlich geht und warum wir die Kurzparkzone gut finden.

Zunächst möchten wir mit einigen Mythen um die Kurzparkzone aufräumen und stattdessen Fakten präsentieren.

„Wurde die Volksbefragung missachtet“?

In der Tat wurde im Jahr 2016 vom Bezirksvorsteher eine rechtlich nicht bindende Volksbefragung per Post in Döbling durchgeführt. Die Befragung, ging mit 52% knapp gegen die Einführung der Kurzparkzone aus. Die Befragung wurde im ganzen Bezirk durchgeführt, also sowohl in Gebieten mit sehr niedriger als auch mit sehr hoher Verkehrsbelastung. Erst nach der Befragung trat das Parkpickerl in Währing in Kraft. In den Bezirksteilen, die an Währing grenzen, wie das Cottage, hat die Belastung durch parkende und parkplatzsuchende Fahrzeuge stark zugenommen. Wir glauben deshalb, dass es in der Döblinger Bevölkerung mittlerweile eine Mehrheit für die Kurzparkzone gibt.

„Wäre eine grätzelweise Befragung dann nicht besser gewesen?“

Nein, denn dann hätte sich wahrscheinlich für die Einführung der Kurzparkzone ein unübersichtlicher „Fleckerlteppich“ ergeben, der die Verwaltung und alle VerkehrsteilnehmerInnen vor große Probleme gestellt hätte. Auch wäre es zu Verdrängungseffekten gekommen, wie man schon in vielen Bezirken beobachten konnte, aktuell wird die Zone in Simmering ausgeweitet.

„In meinem Haushalt brauchen wir mehr als ein Auto. Was bedeutet die Kurzparkzone für uns?“

Pro Person – und nicht nur pro Haushalt - kann lediglich ein Parkpickerl beantragt werden. Das bedeutet, dass weitere auf eine Person zugelassene Fahrzeuge dann nicht mehr auf öffentlichem Grund innerhalb der Kurzparkzone abgestellt werden können. Alternativen bieten sich etwa an durch private Stellplätze oder Garagen. Oder noch besser: überhaupt auf die zusätzlichen Fahrzeuge zu verzichten! Übrigens: Motorräder oder Mopeds (von denen es immer mehr Elektro-Modelle gibt) sind von der Entrichtung der Gebühr befreit!

„Gilt die Kurzparkzone in ganz Döbling?“

Grundsätzlich gilt die Kurzparkzone im gesamten Bezirk von Montag bisFreitag von 9 bis 19 Uhr - wie in allen Außenbezirken. Ausnahmen sind die Grüngebiete am Stadtrand, landwirtschaftliche Flächen sowie die Parkplätze am Kahlenberg, Leopoldsberg, Cobenzl sowie beim Krapfenwaldlbad. Dort kann nach wie vor gratis und unbeschränkt geparkt werden. 

Achtung: Die abweichenden Regelungen für die Geschäftsstraßen bleiben bestehen! Das bedeutet: wer dort parkt, benötigt zusätzlich zum Parkpickerl für den 19. Bezirk eine Parkscheibe. Die maximale Parkdauer darf dann nicht überschritten werden, es entstehen jedoch keine zusätzlichen Kosten. Detaillierte Informationen sowie eine exakte Karte der Grenzen und Überlappungszonen sind auf https://wien.gv.at​ abrufbar.

„Wie komme ich zum Parkpickerl und mit welchen Kosten ist zu rechnen?“

Anträge können seit 01.05.2019 entweder persönlich im Amtshaus Döbling (Gatterburggasse 12) oder online (www.parkpickerl.wien​) gestellt werden. Für ein Jahr kostet das Parkpickerl bei persönlichem Antrag 90 Euro plus 50 Euro Verwaltungsabgabe. Bei einem Antrag für zwei Jahre ist die Verwaltungsabgabe nur einmal zu entrichten. Zudem reduziert sich die Verwaltungsabgabe bei Antragstellung online. Ein Parkpickerl kostet somit deutlich weniger als private Parkplätze oder Garagen!


Was sind nun die konkreten Vorteile der Kurzparkzone?

  • Döbling atmet auf: Weniger parkende und parkplatzsuchende Autos bedeuten wesentlich weniger Verkehr. Das bringt eine spürbare Verbesserung von Atemluft und Lebensqualität. Döbling ist und war immer schon ein sehr grüner Bezirk. Wir wollen diese grüne Erfolgsgeschichte auch in Zukunft gewährleisten.
  • Mehr Platz für alle DöblingerInnen: AutofahrerInnen vergessen häufig, dass ihre Parkplätze öffentliche Flächen sind und eigentlich allen Menschen gehören. In den letzten Jahrzehnten wurde massiv öffentlicher Raum in Verkehrsflächen umgewidmet. Wenn weniger Parkflächen benötigt werden (da weniger Platz durch PendlerInnen etc. verbraucht wird), kann der Platz anders genutzt werden: zum Beispiel für kleine Grünflächen, die von den AnwohnerInnen betreut werden und als Naherholungsgebiete dienen können.
  • Mobilität für alle, nicht für wenige: Manche Menschen, die in Döbling leben und arbeiten, sind auf ein Auto angewiesen. Andere Menschen benutzen kein Auto oder sind aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Wir Grüne möchten, dass alle DöblingerInnen ausreichend mobil sind. Darum denken wir über umfassende Mobilität nach: wie können Autos, der öffentliche Verkehr und alternative Mobilität (Fahrräder, E-Roller etc.) sinnvoll und ökologisch zusammenwirken? Nicht selten werden Bus und Bim durch falsch parkende Fahrzeuge oder Staus vor Ampeln behindert. Zusätzliche Busspuren könnten hier Abhilfe schaffen. Die Umwandlung von Schräg- in Längsparkplätze könnte genug Platz für zusätzliche Radwege und breitere Gehsteige bringen. Auch ausreichende Rastmöglichkeiten ohne Konsumzwang für Personen mit eingeschränkter Mobilität dürfen nicht vergessen werden.
  • Entlastung in Hitzesommern: In den letzten Jahren bekommen StadtbewohnerInnen zunehmend die menschenverursachte Klimakrise in Form von extremen Sommertemperaturen zu spüren. Weniger Verkehr bedeutet weniger CO2-Emissionen, außerdem wird durch die Verwendung bisheriger Parkflächen als Grünflächen die Stadt aktiv gekühlt.
  • Mehr Sicherheit für Kinder, SeniorInnen und Radfahrer: AutofahrerInnen auf der Suche nach einem Parkplatz sind häufig vom Verkehrsgeschehen abgelenkt. Wenn weniger PendlerInnen in Döbling auf Parkplatzsuche sind und die DöblingerInnen selbst rascher einen Parkplatz finden, erhöht sich dadurch die Sicherheit für die gefährdetsten VerkehrsteilnehmerInnen. Die Sicherheit auf Schulwegen kann zudem durch breitere und übersichtlichere Gehsteige verbessert werden.
  • Die Wirtschaft atmet auf: Für Gewerbetreibende, die häufig auf Fahrzeuge angewiesen sind, ist die bisherige Parkplatznot ein besonderes Ärgernis. Beispiele aus Währing zeigten, dass besonders für die nahversorgende Wirtschaft nun Kontakte zu KundInnen wieder erleichtert wurden. Lokale Geschäfte berichteten von erhöhtem Umsatz: KundInnen finden nun oft direkt vor dem Geschäft einen Parkplatz, wenn sie etwas im Schaufenster entdecken, oder kommen gleich mit dem Rad. Auch die Gastronomie profitiert durch zusätzlichen Platz für Schanigärten oder Märkte.
  • Planung mit Augenmaß: Wenn wir die oben genannten Ziele ernst nehmen, wird es nicht ohne Umverteilung des öffentlichen Raums gehen. Niemand in Döbling muss Angst vor dem Parkpickerl haben. Wenn Änderungen an den vorhandenen Parkflächen vorgenommen werden, so werden zuvor sämtliche Vor- und Nachteile für die DöblingerInnen abgewogen.Wenn einem die Abstellmöglichkeit für Autos wichtiger ist, als sichere Schulwege, Rastmöglichkeiten für ältere Menschen oder die Reduktion des CO2-Aufkommens, dann sollte man das auch zugeben. Zu sagen, wir wollen das alles, aber „ohne Stellplatzverlust“ – das geht sich schlicht nicht aus.

Insgesamt lässt sich also sagen: das Parkpickerl bringt allen Menschen in Döbling etwas!