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am 21. September

Cobenzl: Weitsicht statt Weitblick?

Team Redaktion - Am Cobenzl entsteht eine Event-Location für 1500 Personen. Wir sehen dieses Projekt mit einem kritischen Auge: Wenn Lärm und Verkehr unser liebstes Naherholungsgebiet stören, fordern wir eine Notbremse.

Agnes liebt den Cobenzl: ihre Eltern hatten in den 50er-Jahren ihr erstes Rendezvous im Rondellcafé, an die Hochzeit ihrer Freundin im Schloss erinnert sie sich oft und gerne, mit den Kindern ist sie hier immer wieder im Wald unterwegs. Der Platz, die Aussicht und die Natur sind das, was Döbling ausmacht. Nun entsteht hier ein 4000m2 großes Eventareal.

Zur Geschichte

Das Schloss wurde 1907 als Ausflugslokal errichtet, mit dem Bau der Höhenstraße begann die Glanzzeit des Cobenzl. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit dem Pächter kam es 2017 zur Zwangsräumung. Nach einer kurzen Zwischennutzung 2018 wurden Gebäude und Betrieb EU-weit ausgeschrieben, die Entscheidung fiel zugunsten des Projekts „Weitsicht Cobenzl“. Der Spatenstich erfolgte im November 2019 durch Stadträtin Ulli Sima und Bezirksvorsteher Daniel Resch. Die Fertigstellung ist für Herbst 2021 geplant, die geschätzten Kosten belaufen sich auf 12 bis 15 Millionen Euro.

Was droht Döbling?

Das beschauliche Flair ist Geschichte, geplant sind auf dem riesigen Areal etwa Veranstaltungsräume, in denen drei Hochzeiten gleichzeitig stattfinden können. Das neue Rondellcafe wird über 200 Innen- und 200 Außenplätze verfügen, dazu kommen Bauten, Brücken, Bühnen und Bars, Stadtterrassen, ein Sky Walk und eine Privatzimmervermietung.
 
Agnes freut sich auf neue Impulse im Bezirk, auf konsumfreie Zonen und ein nettes Café. Aber sie hat auch Angst: vor noch mehr Verkehr auf der Höhenstraße, vor Party-Lärm, der bis tief in die Nacht über Döbling dröhnt und davor, dass ihre Kinder im Wald keine Rehe mehr vorbeihuschen sehen.

Notbremse ziehen

Bereits mehr als 60 Bäume unterschiedlichen Alters wurden für dieses überdimensionierte Projekt gefällt. Die Luftqualität, die Grünräume und die Tiere im Naherholungsgebiet brauchen unseren Schutz. Und wir wollen die Anrainerinnen und Anrainer nicht mit dem zunehmenden Lärm und Verkehr alleine lassen.

Daher fordern wir:
  • Schon vor Eröffnung Verkehrszählungen, Lärm- und Luftgütemessungen
  • Umsicht bei der Betriebsanlagengenehmigung
  • Bei Bedarf kürzere 38A-Intervalle und eine Ausweitung der Betriebszeiten des Busses
  • Einbeziehung des Cobenzlparkplatzes in die Parkraumbewirtschaftung (z.B. wie in der Stadthallenzone bis 22 Uhr)
  • Geschwindigkeitsbeschränkungen vor allem im Kopfsteinpflasterbereich und in Grinzing, um Lärm zu vermeiden und die Unfallgefahr zu senken.
  • Keine Ausnahmen für Feuerwerke – zur Feinstaubvermeidung und zum Schutz der Tiere im Wald sowie am Schaubauernhof Cobenzl.

Heinz Hieber, Klubobmann der Grünen Döbling: „Fördern wir lieber die ansässigen Heurigenbetriebe als den Verkehr im Naherholungsgebiet! Vor mehr als 30 Jahren musste die Villa Wahnsinn am Kahlenberg wegen Anrainerprotesten zusperren – und das war im Vergleich zur „Weitsicht Cobenzl“ ein winziges Lokal.“​​