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am 8. Jänner

Post aus Döbling

- Sabine Brandt kennt Döbling von der Kindheit in Sievering an und lebt heute im Cottageviertel – was wünscht sich die Virologin an der Vetmeduni und Boku-Absolventin? Sie hat es uns geschrieben:

Keine Frage - in Döbling zu wohnen ist ein großes Privileg. Überhaupt wenn man es seinem geschäftstüchtigen Sieveringer Großvater verdankt, dessen "Backhendln" sich seinerzeit großer Beliebtheit erfreuten. Ich habe wunderbare Erinnerungen an das alte Sievering mit seinen Weingärten, den vielen schattigen Bäumen, den alten Winzerhäusern und engen Gassen. Im letzten Haus in der Sieveringer Straße, am Waldrand neben dem Erbsenbach wohnte die Urgroßmutter. Am Weg zur "Waldoma" kamen wir an der Endstation des 39ers vorbei. Dort lebte "Lilli", die Gans, die ich immer füttern durfte. Kurz vor dem Waldoma-Haus gab es das "Sieveringerbad" mit einem großen Schwimmbecken, Holzkabinen, einem Standl, wo Kracherl mit Porzellanverschluss zu beziehen waren und viel Wiese. Am heutigen Anton-Karas-Platz (einst Beginn der Bellevuestraße) gab es beim Wannenmacher vor Weihnachten Vanillekipferl und ganzjährig Himbeereislutscher um einen Schilling. Der "Matz" trug das Brot aus und vor dem "Kleinniegl" haben wir Kinder uns alle gefürchtet. Sievering ist auch heute noch schön, auch wenn sich vieles verändert hat und der ländliche Charakter einer städtischeren Atmosphäre gewichen ist.


Oberdöbling ist gut – kann es besser werden?​

Später sind wir in das Haus am Ende der Gymnasiumstraße gezogen. Gegenüber, wo einst die Lanner-Villa stand, wurden der Zeit entsprechend schmucklose Hochhäuser gebaut - ein Studentenheim. Auch "Onki", der Tankwart musste samt Aral-Tankstelle dem Zeitgeist weichen. Im ehemaligen Milchgeschäft praktiziert heute ein Tierarzt, daneben mutierte der alte "Prax" zum "Paulis"- Hundeaustatter vom Feinsten. Gemüsehändler und Papiergeschäft haben Fußpflege und einem Café Platz gemacht. Am hinteren Eck hat vor einigen Jahren das "Mozart & Meisl" aufgesperrt - ein absoluter Gewinn. Nur der "Coiffeur Wolfgang" hat den Wandel der Zeit überdauert und kümmert sich nach wie vor nicht nur um die Frisur, sondern verbreitet auch gute Laune. Auch dieses Oberdöblinger Grätzl hat sich im Lauf der Zeit verändert und es wirkt heute freundlicher als zur Zeit des Umzugs vor vielen Jahren. Aber es wird immer heißer und unerträglicher in den Sommermonaten und die inzwischen ausgebaute Gymnasiumstraße lädt viele dazu ein, auszuprobieren, was im Motor so alles drinnen steckt...


Hitzepol Gymnasiumstraße

Einst war die Gymnasiumstraße von Bäumen gesäumt, die im Sommer Schatten spendeten und dem Verkehrsweg ein einladendes Aussehen verliehen. Zumindest wird es so erzählt. Heute gehört sie zu den traurigsten Straßen im Bezirk, die in Ermangelung von Bäumen im Winter viel zu kalt und im Sommer viel zu heiß ist. Eine Asphaltwüste, die zwischen Hasenauerstraße und Biedergasse mitverantwortlich dafür ist, dass eine Reihe von Geschäften verwaist sind, da der Erfolg Unternehmern an diesem Standort versagt bleibt. Von Fahrzeugen abgesehen wird dieser Straßenabschnitt nur von jenen Menschen frequentiert, die dort wohnen und kurz durchs jeweilige Haustor huschen.

Es könnte anders sein. Man stelle sich die Gymnasiumstraße als Allee vor, auf beiden Seiten gesäumt von großen Linden, Montpellier-Platanen oder ähnlich. Wie kühl und schattig es im Sommer wäre, wie geschützt vor Wind und Regen in den kälteren Jahreszeiten. Dazwischen stünden vielleicht Bänke, die zum Ausruhen einladen, zum Austausch mit anderen Menschen, zum Auslüften, zum Sitzen und Schauen. Vor der Bücherei "Joachim Baumann" stünden ein paar Sessel und ein kleiner Tisch, um in Ruhe zu schmökern, vor der alten WU könnte man ebenfalls draußen sitzen. Ein paar Geschäfte würden wieder öffnen, dazu eine Bar, ein Café, vielleicht ein Eissalon. Einige Hauseigentümer ließen sich vielleicht dazu hinreißen, ihre Fassaden zu begrünen, vielleicht bekäme so mancher auch Lust, ein paar Blumenkisterl vors Fenster zu hängen. Wäre dieses Grätzl dann nicht viel gemütlicher und lebenswerter? Wäre es nicht auch ein Zeichen dafür, dass man bereit ist, in den Klimaschutz und damit in die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, unserer schönen Stadt zu investieren? Diese Chance ist da, sie ist reell. Sie sollte ergriffen werden - JETZT.


Rennstrecke Gymnasiumstraße

Währing hat es vorgemacht - eine 30 km/h-Beschränkung bis zur Hasenauerstraße, die Grenze zum 19.Bezirk, hat zur Verkehrsberuhigung und zu mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer geführt. Auch der Lärm hat deutlich abgenommen. Ich persönlich mag Autos. Schöne Autos, sportliche Autos. Trotzdem mag ich auch diese Beschränkung, denn die Stadt gehört nicht mir allein. Es soll für alle passen. Auch die Busfahrer haben sich an das gemächlichere Tempo gewöhnt.​

Wenn man dann den neuen Kreisverkehr (Kreuzung Hasenauer-/Gymnasiumstraße) umrundet, ist man im Döbling, die 30 km/h sind Schnee von gestern, es wird beschleunigt, wobei das Tempo zwischen 50 und 100 km/h stark variiert (vielleicht schafft man ja noch die grüne Ampel bei der Kreuzung Billrothstraße!). Blöderweise muss man da an einer Universität und - noch schlimmer - einem Gymnasium vorbei - egal. Vor der Schule gab es in den letzten Monaten drei schwerere Autounfälle. Die Steher beim Zebrastreifen zur Schule sind grundsätzlich verbeult. In der Döblinger Hauptstraße wurde vor mehreren Jahren ein Schulkind totgefahren - Sie erinnern sich? Danach hat man sich endlich dazu bequemt, im Bereich der Schule (und später darüber hinaus) eine 30 km/h-Beschränkung einzuführen.



Auf einem Zebrastreifen in der Grinzinger Allee ereignete sich ebenfalls ein tödlicher Unfall. Betroffen war eine Ehefrau, Mutter von zwei Töchtern, die den Hund ausführte. Der Fahrer des Autos war betrunken. Muss das passieren? Wann passiert das in der Gymnasiumstraße?

Dreißig km/h ist fad. Langsam. Es geht nix weiter. Und trotzdem: es ist notwendig vor Schulen, es ist richtig, es ist sozial, es ist respektvoll unseren Mitmenschen gegenüber.

Auch das ist eine reelle Chance. Ein paar Straßenschilder und Bodenbemalung, um Leben zu schützen - da gibt es kein vernünftiges Gegenargument. Es geht um etwa 700 m Straße.

Alles andere ist verantwortungslos.


Wir stellen uns also vor: eine Gymnasiumstraße gesäumt von schattigen Bäumen, mit begrünten Hausfassaden und Sitzgelegenheiten zum Verweilen, ein paar Geschäften und Gastgewerbebetrieben UND EINER DURCHGEHENDEN 30km/h-BESCHRÄNKUNG - und plötzlich ist es hier noch viel lebenswerter - und Döbling geht mit gutem Beispiel voran.

 

Das wünscht sich Sabine Brandt nebst Familie, Nachbarn und Freunden


Was wünschen Sie sich für Döbling? Schreiben Sie uns an doebling@gruene.at !