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am 7. März

Kletterpark und Seilbahn am Kahlenberg?

Dorothea Troll - Noch mehr private Nutzung des öffentlichen Raumes? Wie passen ein Kletterseilpark und eine Gondelbahn auf den Kahlenberg zusammen?

Im letzten Umweltausschuss in Döbling wurde über eine Stellungnahme des Bezirkes zu einem Antrag eines privaten Unternehmens zur „vorübergehenden Rodung zum Zweck der Errichtung und befristeten Betrieb eines Waldseilparks“ beraten und abgestimmt. Dazu einige Anmerkungen die sich aus der Beantwortung von Fragen an die Befürworter ergeben:

1. Der neue Seilkletterpark soll 41.000 qm umfassen und liegt anschließend an den Parkplatz neben der Bushaltestelle des 38A. Bisher war der Wienerwald öffentliches Gut und für alle frei zugänglich!

2. Bei der Josefinenhütte etwa 25 Gehminuten entfernt gibt es bereits einen Kletterpark des gleichen Unternehmens!

3. Was bedeutet „vorübergehende Rodung“? Auf Nachfrage wurde erklärt dass dieser Terminus im Biosphärenpark jede Art von Eingriff beschreibe, also auch wenn nur ein Seil befestigt wird. Das stimmt nicht, jeder kann im Rodungserlass​ nachlesen, was damit gemeint ist (zugegebenermaßen etwas mühsam, da der Text lang ist).

4. Kinder sollten in unserer reglementierten Welt besser lernen mit Gefahren eigenverantwortlich umzugehen und den Wald in seiner ursprünglichen Form erkunden. Auf Baumstämmen eigenverantwortlich zu balancieren ist besser als abgesichert am Seil auf Holzstegen zu spazieren.

5. Es gibt kein Umweltverträglichkeitsgutachten (Auswirkung auf Fauna und Flora).

6. Es ist zu erwarten, dass sich das Verkehrsaufkommen stark erhöhen würde, die Besucher kommen nicht alle mit dem Bus!

7. Besucher wollen auch verpflegt werden (Essen und Trinken). Folgt die Errichtung von solchen Einrichtungen im Wald oder am Kahlenbergparkplatz?

8. Auch Toilettanlagen werden gebraucht, oder sollen die Besucher die vom Bezirk kürzlich renovierten WC-Anlagen benützen?

9. Was halten sie von der Argumentation, dass durch den Kletterpark die Errichtung der Seilbahnstation am Kahlenberg verhindert werden würde? Unsere Nachfrage ergab, dass das gleiche Unternehmen Seilbahn und Kletterpark plant! Welches Unternehmen trickst sich selbst aus? (Die Seilbahnstation ist laut Karte am Areal des Kletterparks eingezeichnet).

Am Ende der Sitzung wurde eine vorbereitete Stellungnahme der Bezirksvorstehung, die das Projekt befürwortet, abgestimmt: 7 Stimmen dafür, 2 Stimmen dagegen. Mit Zustimmung von ÖVP, FPÖ, NEOS und Teilen der SPÖ wurde also der Privatisierung eines Teiles des Wienerwaldes zugestimmt. Ist das die Aufgabe der Bezirksvertretung? Welche Interessen stehen dahinter? Wem dient das Projekt? Sicher nicht der allgemeinen Öffentlichkeit. Man soll mit dem Wort „Skandal“ sorgsam umgehen, aber….